"z.B. Berlin". Fotografien von Philipp B. Koch

Die Ausstellung fand statt vom 3. Juli bis 10. September 2006 in der 'Galerie T' (Berlin). Sie können sich hier die ausgestellten Bilder ansehen. Ein Anklicken der jeweiligen Miniatur öffnet das entsprechende Bild. Außer durch die entsprechenden Verweise am unteren Bildrand des dann eingeblendeten Kastens können Sie auch mittels der Pfeiltasten auf Ihrer Tastatur zwischen den Bildern wechseln. Die Bilder werden automatisch auf Ihre Bildschirmgröße verkleinert, sofern dies notwendig ist. Die volle Bildgröße wird in diesem Fall dann durch einen Klick auf das angezeigte verkleinerte Bild aufgerufen. (Das funktioniert leider nicht im Internet Explorer 6, der dafür einfach schon zu alt ist; es werden dort in der Vollbild-Größe fälschlicherweise keine Scrollbalken angezeigt. Mit dem aktuellen Internet Explorer (IE7) sowie insbesondere mit anderen modernen Browsern wie Firefox oder Opera funktioniert es jedoch problemlos.)

 

Wenn Sie möchten, können Sie auch schauen, wie die Bilder angeordnet waren, indem Sie sich eine interaktive Ansicht der Ausstellung ansehen.

Ausstellungsbeschreibung

Der Begriff "Text" leitet sich vom lateinischen Wort "texere" (weben, flechten) ab. Ein aus Schriftzeichen bestehender Text ist hierbei nur ein besonderer Fall eines Textes: Eine Anordnung von Buchstaben, die zu Worten und Sätzen verwoben werden und deren Gesamtheit dasjenige Sinngeflecht ergibt, das wir "lesen" können. Tatsächlich ist aber jedes Sinngeflecht, was immer seine spezifischen Mittel des Ausdrucks sein mögen, lesbar. Ein Musikstück etwa "spricht" durch Töne, durch Harmonien oder Dissonanzen; indem wir es anhören, "liest" jeder von uns das individuelle, subjektive Sinnangebot aus ihm heraus, welches ihm die Musik zu enthalten scheint. Ähnlich verhält es sich mit Malerei, deren Sprache die Kombination von Farbe und Form (sowie das Spiel mit deren Abwesenheit) ist.

Vielleicht der spannendste und in jedem Fall unbeherrschbarste Text ist jedoch die Großstadt, z.B. Berlin. Die grelle Buntheit von Einkaufsstraßen und die schroffe Monochromie unsanierter Nebenstraßen. Lärmende Magistralen und hinterhöfische Gelassenheit. Oder der Bienenstock einer U-Bahn-Station im Berufsverkehr und ihre Beschaulichkeit bei Nacht: Die Vielstimmigkeit dieses Berlin-Textes überfordert den Betrachter, sie verunmöglicht eine Lesbarkeit als Gesamtphänomen. Überfrachtet mit Information liest jeder sich sein eigenes Berlin heraus, seinen Bezirk, seinen Kiez, und fügt aus dem Gelesenen einen privaten "Alltag".

In den Fotografien dieser Ausstellung greift Philipp B. Koch solche alltäglichen Orte in Berlin auf und bildet ihre Schönheit, ihre Symmetrien und ihre dem schnellen alltäglichen Blick oft verborgenen inneren Strukturen ab. Zugleich enthält die Ausstellung einige in Süddeutschland entstandene Aufnahmen: Auch sie folgen der gleichen Satzmelodie von Symmetrie und Uneigentlichkeit. Den jeweiligen Bildern stellt der Künstler schriftliche Texte entgegen. Das Sinngeflecht der gezeigten Fotografien und der verbundenen Gedichte und Prosaskizzen – den Text dieser Ausstellung – liest jeder Besucher individuell. Diese intertextuelle Komposition vervielfacht die Anzahl möglicher Lesarten des Ausgestellten weiter und zwingt den Betrachter im Zuge der Auseinandersetzung damit zur Kommunikation mit sich selbst: In der Darstellung von Lebensräumen – urbanen ebenso wie solchen der Peripherie – eröffnet sich dem Betrachter das Besondere eines Ortes so ausschließlich als seine persönliche Lesart jenseits jeder Intersubjektivität.